Aktuelles vom Hof Seeger

Hier erfahren Sie Neuigkeiten rund um unseren Hof.

28. November 2016

Die Bauern und das Wasser!

Herr Wenge von der FAZ hat uns besucht, hier nun der Artikel
Die Bauern und das Wasser

In einem Brunnen in Südhessen werden seit Jahren zu hohe Nitratwerte gemessen, obwohl dagegen scheinbar alles getan wird. Eine Nachfrage.

Nährstoff und Nitratquelle: Bauer bringt Gülle aus

Auf den ersten Blick sind die Bedingungen, um Trinkwasser zu gewinnen, ideal. Der Brunnen des Gruppenwasserwerks Dieburg liegt neben einem Bachlauf, den man vor lauter Bäumen nicht sehen kann. Der Acker hinter dem kleinen Wasserhaus am Hang ist grün, Senfpflanzen wachsen dort. Das einzige größere Gewerbe in der Nähe ist ein Käsegroßhandel. Trotzdem darf niemand das Wasser aus diesem Brunnen in Habitzheim, einem Ortsteil von Otzberg, trinken, zumindest nicht pur. Denn seit mehr als 25 Jahren werden darin Nitratwerte gemessen, die erheblich über dem gesetzlich festgelegten Grenzwert von 50 Milligramm je Liter liegen. Das zu ändern, bemüht sich seit mittlerweile auch schon 20 Jahren eine Kooperative, die als Modellprojekt gilt. Die Erklärungen dafür, dass sie bis heute scheitert, sind unterschiedlich.


Jörn Wenge
Autor: Jörn Wenge, Volontär.
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Nitrate sind wasserlösliche Salze, die im Boden vorkommen, auch in den Ausscheidungen von Tieren. Viele Pflanzen brauchen eine gewisse Menge des in Nitrat gebundenen Stickstoffs, um zu wachsen, in der Landwirtschaft lässt sich damit düngen. Im Boden, aber auch im menschlichen Körper kann Nitrat durch Darmbakterien zu Nitrit und im Magen kann es zu Nitrosaminen umgewandelt werden. Säuglinge können durch ein Zuviel an Nitrat vergiftet werden, der Stoff gilt als potentiell krebserregend. Das Wasserwerk in Dieburg mischt Wasser aus Habitzheim mit dem aus anderen Quellen, ehe es an die Haushalte geliefert wird.

Vom Acker ins Grundwasser

Probleme mit zu viel Nitrat im Grundwasser gibt es mehr oder weniger in allen Teilen Deutschlands, vor allem in Gebieten, die durch Ackerbau und Tierhaltung geprägt sind. Denn einen großen Teil des Nitrats, das ins Grundwasser gelangt ist, haben vorher Landwirte mit ihrem Dünger auf die Felder gebracht. Und gelangt mehr Dünger auf den Acker, als Boden und Pflanzen aufnehmen können, sickert das Nitrat bis ins Grundwasser. Die Aufnahmefähigkeit variiert und ist von der Bodenbeschaffenheit, dem Wetter und den angebauten Pflanzen abhängig. In Hessen überschreiten etwa im Ried oder im Rheingau die Werte, die in Brunnen und Quellen gemessen werden, vielerorts den Grenzwert. Vor zwei Wochen erklärte die Europäische Kommission, vor dem Europäischen Gerichtshof Klage gegen die Bundesrepublik einzureichen, weil Deutschland nicht konsequent genug gegen die Nitratbelastung vorgehe.

Peter Seeger, ein großer Mann mit kurzem, blondem Haar, ist sich des Problems bewusst. Der 38 Jahre alte Landwirt baut rund um Otzberg auf 350 Hektar Viehfutter, aber auch Raps und Zuckerrüben an. Etwa 20 Prozent seiner Ackerfläche liegen in Wasserschutzgebieten. „Ich kann nicht sagen: ,Der Weizen sieht mickrig aus, da dünge ich noch mal nachĎ“, sagt Seeger. „So viel zu düngen, wie die Pflanze verbraucht, ist richtig.“ Gegenüber den Behörden weist er seine Düngermengen nach, die Düngeverordnung schreibt das vor.

Seeger setzt mineralischen Kunstdünger, aber auch Gülle ein. Dieser sogenannte Wirtschaftsdünger wird auf seinem Hof ununterbrochen produziert. In der Hauptsache züchtet Seeger nämlich Schweine. Geht er in den Stall, steigt er in einen sandfarbenen Einteiler und zieht Gummistiefel an. Die 800 Muttersauen, 3000 Ferkel und 2500 Mastschweine stehen auf engmaschigen Plastikgittern. Ihre Ausscheidungen fallen durch das Gitter, fließen ab und werden in großen, kreisrunden Silos aus Beton gelagert. 8000 Kubikmeter Gülle sammeln sich so in einem Jahr an. Was er davon nicht auf seinen Feldern braucht, verkauft Seeger an andere Landwirte. „Viele Betriebe sind froh, wenn sie Gülle bekommen“, sagt er. Der Wirtschaftsdünger habe „viel mehr Mikronährstoffe“ als Mineraldünger. Ein Feld nur mit Letzterem zu tränken sei in etwa so, als nehme ein Mensch seine Nahrung nur in Pillenform zu sich. Hof seit 1955 außerhalb des Dorfs. An seinen fünf Standorten beschäftigt Seeger acht Mitarbeiter. Er ist Bauer, aber auch Agrarunternehmer, und muss sich mit vielen Verordnungen und Vorschriften befassen. Anders als etwa sein Großvater, der den Hof 1955 außerhalb des Dorfs errichtete, weiß Seeger heute auch genau, dass er Nitrat freisetzen würde, wenn er zum Beispiel im Spätsommer nach der Ernte noch einmal den Acker umpflügen und danach keine „Zwischenfrüchte“ anbauen würde. Dass Seeger das weiß, liegt auch an der Arbeit von Angela Homm-Belzer. Die Agraringenieurin hat ihr Büro im Torbogen eines alten Bauernhofs in Otzberg. Sie berät seit 1993 Landwirte, wie sie vermeiden können, dass von ihren Äckern zu viel Nitrat ins Grundwasser gerät. Sie spricht dann von den Zwischenfrüchten, die sich besonders gut dafür eignen, überschüssiges Nitrat nach der Ernte bis zur nächsten Aussaat im Boden zu binden, Hülsenfrüchte gehören zum Beispiel dazu. Solche Zwischenfrüchte werden nicht geerntet, sie sollen im Winter absterben.

Im Jahr 2000 ist das Otzberger Beratungsprojekt, in dem Homm-Belzer arbeitet, als „Arbeitsgemeinschaft Gewässerschutz und Landwirtschaft“ auf Wasserschutzgebiete in der ganzen Region Starkenburg ausgeweitet worden. Seit 2011 beraten die Mitarbeiter außerdem im Auftrag des Landes Hessen in den Kreisen Bergstraße, Odenwald und Darmstadt-Dieburg die Landwirte. In Otzberg fahren jedes Jahr im Herbst Mitarbeiter eines Unternehmens, das Homm-Belzer beauftragt hat, auf die Felder und messen die Nitratwerte im Ackerboden. Sie hätten sich in jüngerer Vergangenheit „sehr gut entwickelt“, sagt die Biologin. Ende des Jahres werden die Werte der Landwirte verglichen und gemeinsam mit ihnen diskutiert. Von den rund 130 Brunnen und Quellen, in deren Einzugsgebiet die Arbeitsgemeinschaft tätig ist, wiesen seit Beratungsbeginn 41 Prozent einen um mindestens vier Milligramm geringeren Nitratwert, die Hälfte zumindest einen stabilen Wert auf, sagt Homm-Belzer. Sie verweist etwa auf eine Quelle in Otzberg-Hering. Dort, am Fuße des Burgbergs, hat sich der Nitratwert, anders als im nur wenige Kilometer entfernten Habitzheim, seit Mitte der neunziger Jahre kontinuierlich verringert, von etwa 45 Milligramm auf unter 30 Milligramm je Liter.

„Bauern tun nicht zu wenig“

Eine Beratung von Bauern auf freiwilliger Basis, wie sie Homm-Belzer praktiziert, sei nicht ausreichend, sagt Hans-Joachim Grommelt, stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises Wasser beim Bund für Umwelt und Naturschutz. Er verweist auf einen Bericht des Landesrechnungshofs Hessen vom vergangenen April. Darin heißt es: In Gebieten mit Nitratbelastung „kam es bislang nicht zu einer ausreichenden Reduzierung der landwirtschaftlichen Stickstoffüberschüsse“. Und: „Allein mit freiwilligen Beratungsangeboten wird das Land die Ziele der EU-Richtlinien nicht erreichen.“ Die eingesetzten Landesmittel stünden „in einem deutlichen Missverhältnis zum erreichten Ergebnis“. Das hessische Umweltministerium will die Gewässerschutz-Beratung nun neu ausrichten, laut einem Sprecher sei es aber derzeit noch zu früh, Details mitzuteilen.

Grommelt sagt, dass die Bestimmungen der Düngeverordnung, die gerade novelliert wird, noch deutlicher als im derzeit diskutierten Entwurf verschärft werden sollten. Er fordert etwa, dass Landwirte „flächendeckend“ eine „Hoftorbilanz“ vorlegen sollen. Diese setzt Nährstoffeinträge durch Dünger und Nährstoffproduktion in Form von Tieren oder landwirtschaftlichen Erzeugnissen je Betrieb ins Verhältnis. Auch mehr Biohöfe und ein geringerer Viehbestand „wären eine große Hilfe“, sagt Grommelt.

Landwirt Seeger dagegen hat nicht den Eindruck, dass die Bauern zu wenig tun, sondern vielmehr den, dass sich die Berichterstattung einseitig auf sie konzentriert. Die Landwirtschaft sei beim Thema Nitratbelastung „fast das Einzige, was man regulieren kann“, sagt Seeger, „aber nicht das Einzige, was schuld ist“.

Die Situation in Habitzheim ist für Seeger ein Beweis dafür, dass er richtig liegt. Dort nämlich sind die Nitratwerte in den vergangenen zehn Jahren sogar um mehrere Milligramm gestiegen, obwohl 50 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Wasserschutzgebiet von einem Biohof bewirtschaftet werden, und im Bio-Landbau gelten besonders strenge Düngevorschriften.

Wie nun kommt also in Habitzheim das viele Nitrat ins Grundwasser? Wolfram Wittwer, Technischer Betriebsleiter des Gruppenwasserwerks Dieburg, sagt, eine noch laufende Untersuchung habe schon ergeben, dass unterhalb des vom Brunnen angezapften Grundwasserstroms noch ein weiterer, größerer liege. Dieser sei noch höher belastet und weise 130 Milligramm Nitrat je Liter auf. Wittwer vermutet, dass die beiden Wasserströme miteinander verbunden sind. Dann würde sich das Brunnenwasser in Habitzheim aus einem deutlich größeren Einzugsgebiet mit womöglich deutlich älteren Wasservorkommen speisen als bisher vermutet. Was das heißen würde und was zugleich die derzeitigen Bemühungen um die Senkung der Nitratbelastung durch die Bauern bewirken, beschreibt er so: „Heute fördern wir das Wasser, das vor 20 bis 40 Jahren von der Landwirtschaft beeinflusst wurde.“ Den Erfolg dessen, was heute getan werde, „können wir dann auch erst in 20 bis 40 Jahren sehen“.

Quelle: F.A.S.

Weiterführende Links:
Bauern und das Wasser

28. November 2016

Zwist in der Gewaltenteilung

Zwist in der Gewaltenteilung
Peter Seeger zum Kastenstandurteil des Bundesverwaltungsgerichts

Im Grundsatz ist die Gewaltenteilung ja eine gute Sache. In der Schule hatte ich nie so wirklich verstanden, worum es ging. Aber gerade heute sehe ich, wie wichtig die Freiheit der Gerichte ist. Leider funktioniert in vielen Ländern dieser Erde dieses System nicht (mehr). Selbst in direkten Nachbarländern wird momentan die Unabhängigkeit der Gerichte massiv beschnitten. Regierungen beeinflussen die Gerichte, um Urteile in ihrem Sinne zu sprechen. So müssen vom Parlament keine Gesetze geändert werden.

So mancher Schweinehalter hat gerade den Gedanken, dass in Deutschland hingegen die Gerichte den Politikern in die Quere kommen. Magdeburger Richter haben beschlossen, dass die bisher gebauten und genehmigten Maße für Kastenstände nicht ausreichen. Sie haben geurteilt, dass eine Sau in Seitenlage die Gliedmaßen nur ungehindert ausstrecken kann, wenn der Stand mindestens so breit, wie das Tier hoch ist. Dass die Sauen in der Praxis ihre Beine in die Nachbarbucht strecken, um so zu liegen wie in der Gruppe üblich, scheint die Richter nicht zu interessieren. Dieses Urteil ist nun auch in Gänze vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden.

Nun halt eine Regel mehr für die deutsche Landwirtschaft, könnte man sagen. Was sollís? Dass neue Auflagen meist gut gemeint, aber selten gut fürs Tier sind, sind wir Tierhalter ja schon gewohnt. Das Fatale diesmal ist jedoch, dass die Rechtsgrundlage, die die Richter zitieren, schon 1996 in der Schweinehaltungsverordnung stand. Jeder Stallbau, jede staatliche Investitionsförderung, alle staatlichen Ausführungshinweise waren damit anscheinend in den letzten 20 Jahren illegal. Da diese Regelung kein neues Gesetz ist, sind auch keine Übergangsfristen geregelt. Nur eins ist klar: Momentan wird von den Juristen eher von Tagen gesprochen, als von Jahren für den Umbau.

Diese Veränderung hat zwei fatale Folgen:
1. Die Sauen können sich in den breiteren Kastenständen gerade so umdrehen. Bei diesem Versuch, besonders in der Rausche, können sich die Tiere schwer verletzen. Sie koten in den Trog und springen aus den Buchten. Das Besamen in diesen Buchten ist fast unmöglich.

2. Wenn der Betrieb erhebliche Plätze im Deckzentum reduziert, muss er den gesamten Sauenbestand abstocken und hat dadurch auch im gleichen Anteil Abferkel- und Warteplätze frei. Somit fehlen dem Landwirt massiv Einnahmen, um die gleichbleibenden Festkosten zu decken. Natürlich könnte der Betrieb auch im Deckzentrum anbauen, um die Sauenzahl gleich zu halten, wenn er es nur genehmigt bekäme. Das Investitionskonzept muss aber schon perfekt ausgeklügelt sein, um den Banker, den man noch vom Liquiditätskredit aus dem letzten Winter kennt, zu überzeugen, dass diese Investition ohne Aufstockung sinnvoll ist.

Sollte das Magdeburger Urteil, das eindeutig eine Einzelfallentscheidung ist, kurzfristig in Deutschland umgesetzt werden, ist ein ungekannter Strukturbruch in der Sauenhaltung vorprogrammiert. Den begrüßen sicherlich einige kleine Gruppen in Gesellschaft und Politik. Auf jeden Fall werden in den Nachbarländern die Sektkorken knallen - bei dieser Chance auf neue Märkte in Deutschland.

Das Vertrauen in die Politik, die die bisherige Art der Kastenstandhaltung unterstützt und finanziell gefördert hat, wäre wieder ein großes Stück geschrumpft. Schnelles Handeln ist gefragt, da schon die ersten Veterinäre „Jagd“ auf einzelne Sauenhalter machen. Nur in Hinblick auf die Bundestagswahl wird sich wohl kein Politiker dieses heißen Eisens annehmen. Die Landwirte sind bereit, die Haltung der Sauen weiter zu entwickeln. Dies geht aber entweder nur im Neubau oder im Altgebäude mit Übergangsfristen, die sich an der Abschreibung orientieren. Diesmal ist es nicht direkt die Legislative, die die Landwirte vor unlösbare Probleme stellt. Dieser Zwist kommt aus der Judikative.

Weiterführende Links:
Zwist in der Gewaltenteilung

28. November 2016

Zwist in der Gewaltenteilung

Zwist in der Gewaltenteilung
Peter Seeger zum Kastenstandurteil des Bundesverwaltungsgerichts

Im Grundsatz ist die Gewaltenteilung ja eine gute Sache. In der Schule hatte ich nie so wirklich verstanden, worum es ging. Aber gerade heute sehe ich, wie wichtig die Freiheit der Gerichte ist. Leider funktioniert in vielen Ländern dieser Erde dieses System nicht (mehr). Selbst in direkten Nachbarländern wird momentan die Unabhängigkeit der Gerichte massiv beschnitten. Regierungen beeinflussen die Gerichte, um Urteile in ihrem Sinne zu sprechen. So müssen vom Parlament keine Gesetze geändert werden.

So mancher Schweinehalter hat gerade den Gedanken, dass in Deutschland hingegen die Gerichte den Politikern in die Quere kommen. Magdeburger Richter haben beschlossen, dass die bisher gebauten und genehmigten Maße für Kastenstände nicht ausreichen. Sie haben geurteilt, dass eine Sau in Seitenlage die Gliedmaßen nur ungehindert ausstrecken kann, wenn der Stand mindestens so breit, wie das Tier hoch ist. Dass die Sauen in der Praxis ihre Beine in die Nachbarbucht strecken, um so zu liegen wie in der Gruppe üblich, scheint die Richter nicht zu interessieren. Dieses Urteil ist nun auch in Gänze vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden.

Nun halt eine Regel mehr für die deutsche Landwirtschaft, könnte man sagen. Was sollís? Dass neue Auflagen meist gut gemeint, aber selten gut fürs Tier sind, sind wir Tierhalter ja schon gewohnt. Das Fatale diesmal ist jedoch, dass die Rechtsgrundlage, die die Richter zitieren, schon 1996 in der Schweinehaltungsverordnung stand. Jeder Stallbau, jede staatliche Investitionsförderung, alle staatlichen Ausführungshinweise waren damit anscheinend in den letzten 20 Jahren illegal. Da diese Regelung kein neues Gesetz ist, sind auch keine Übergangsfristen geregelt. Nur eins ist klar: Momentan wird von den Juristen eher von Tagen gesprochen, als von Jahren für den Umbau.

Diese Veränderung hat zwei fatale Folgen:
1. Die Sauen können sich in den breiteren Kastenständen gerade so umdrehen. Bei diesem Versuch, besonders in der Rausche, können sich die Tiere schwer verletzen. Sie koten in den Trog und springen aus den Buchten. Das Besamen in diesen Buchten ist fast unmöglich.

2. Wenn der Betrieb erhebliche Plätze im Deckzentum reduziert, muss er den gesamten Sauenbestand abstocken und hat dadurch auch im gleichen Anteil Abferkel- und Warteplätze frei. Somit fehlen dem Landwirt massiv Einnahmen, um die gleichbleibenden Festkosten zu decken. Natürlich könnte der Betrieb auch im Deckzentrum anbauen, um die Sauenzahl gleich zu halten, wenn er es nur genehmigt bekäme. Das Investitionskonzept muss aber schon perfekt ausgeklügelt sein, um den Banker, den man noch vom Liquiditätskredit aus dem letzten Winter kennt, zu überzeugen, dass diese Investition ohne Aufstockung sinnvoll ist.

Sollte das Magdeburger Urteil, das eindeutig eine Einzelfallentscheidung ist, kurzfristig in Deutschland umgesetzt werden, ist ein ungekannter Strukturbruch in der Sauenhaltung vorprogrammiert. Den begrüßen sicherlich einige kleine Gruppen in Gesellschaft und Politik. Auf jeden Fall werden in den Nachbarländern die Sektkorken knallen - bei dieser Chance auf neue Märkte in Deutschland.

Das Vertrauen in die Politik, die die bisherige Art der Kastenstandhaltung unterstützt und finanziell gefördert hat, wäre wieder ein großes Stück geschrumpft. Schnelles Handeln ist gefragt, da schon die ersten Veterinäre „Jagd“ auf einzelne Sauenhalter machen. Nur in Hinblick auf die Bundestagswahl wird sich wohl kein Politiker dieses heißen Eisens annehmen. Die Landwirte sind bereit, die Haltung der Sauen weiter zu entwickeln. Dies geht aber entweder nur im Neubau oder im Altgebäude mit Übergangsfristen, die sich an der Abschreibung orientieren. Diesmal ist es nicht direkt die Legislative, die die Landwirte vor unlösbare Probleme stellt. Dieser Zwist kommt aus der Judikative.

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Zwist in der Gewaltenteilung

7. Oktober 2016

Landrauen informieren Sich über Schweinehaltung

Vielen Dank für den Besuch der Reichelsheimer Bezirkslandfrauen.
Direktvermarktung gibt es schon lange nicht mehr auf dem Hof Seeger und mit dem Landhandel haben Peter und Kathrin Seeger auch nichts am Hut. Aber Ansonsten danke für den schönen Bericht.

6. Oktober 2016

Angriff ist die beste Verteidigung

Peter Seeger über Verbandsspitzen nach dem Panorama-Beitrag

Vielleicht ist die Überschrift povokant, so funktioniert aber das Mediengeschäft. Angegriffen wurden die Landwirtschaft und insbesondere ihre Verbandsvertreter, durch den Beitrag im ARD-Magazin Panorama.

Die Bilder ähneln den Berichten der letzten Jahre, egal ob aus Biohaltung oder aus den Ställen des Labels des Tierschutzbundes. Dunkle Bilder von erstickten Ferkeln in der Eihaut, ein Nabelbruch oder auch ein Blutohr, ein lahmes oder auch totes Schwein in der Bucht. Alles aber Bilder, die jeder aktive Schweinehalter kennt. Zudem aber auch offensichtlich gestellte Bilder im Stall, bei deren Authentizität man zweifeln kann. Leider sind auch Bilder von Tieren dabei, die wirklich erschreckend sind. Auch wenn sich in den letzten Jahren viel verbessert hat. Beim Umgang mit kranken Tieren müssen sich alle Tierhalter ganz konsequent jeden Tag kümmern.

Die Landwirtschaft ist aktuell mal wieder zum Spielball der Medien und Tierrechtsindustrie geworden. Anders ist die Situation momentan nicht zu beschreiben. Warum veröffentlich man Bilder von kranken Tieren erst viele Monate später wenn es wirklich um den Schutz der Tiere geht? Hat sich vorher noch keiner für die Bilder Interessiert oder waren der Preisvorstellungen einfach noch zu hoch. Erschütternd ist jedoch, dass regelmäßig gerade unsere steuerfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten anscheinend das gewünschte Bündel Scheine auf den Tisch werfen, um an die illegalen Bilder zu gelangen. Steuerfinanzierte Stalleinbrüche mit öffentlicher Diffamierung von Bürgern sollten für einen demokratischen Rechtsstaat eine rote Linie sein. Im Gegensatz dazu stellen heute deutsche Richter Stalleinbrechern noch Straffreiheit aus. Unangekündigte Kontrollen der Betriebe von ausgebildeten Veterinären ist das Mittel, das unserer Verfassung entspricht und unserem Rechtsverständnis entsprechen sollte.

Bitter sind die aktuellen Aussagen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) dazu, dass es Tierschutzprobleme nur in größeren Betrieben mit Mitarbeitern gäbe. Weder zeigen die Erfahrungen der Veterinärbehörden noch Daten des Antibiotikamonitorings, dass besonders bei kleinen Betrieben immer alles in Ordnung ist. Auch Klein- und Biobetriebe sind nicht gefeit vor Krankheitseinbrüchen im Stall. Diese Spaltung der Tierhalter sollten wir dringend unterlassen, denn wie die Erfahrung gezeigt hat, kann es wirklich jeden Betrieb treffen. Vielleicht sind gerade durch diese vollmundige Aussage der AbL ihre eigenen Betriebe ein neues interessantes Opfer geworden.

Doch wie kommen wir wirklich aus dieser Misere raus? Natürlich müssen die Ställe ordentlich verschlossen sein, damit keine unbefugten Personen in den Stall kommen. Dies fordert schon die Schweinehygieneverordnung. Da dies jedoch nicht ausreicht, um einen kriminellen Tierrechtler aufzuhalten, ist das nur begrenzt wirksam. Auffällig ist doch, dass von keinem der angegriffenen Funktionäre in dem Panorama Beitrag Bilder aus dem Stall im Netz zu finden sind. Wo ist der kleine Zeitungsartikel zu der Kindergartengruppe, die zu Besuch war? Wann war die Feuerwehr zur letzten Übung mit anschließender Stallbesichtigung da? Wenn wir uns als Betrieb oder als Branche abschotten, werden wir zu leichten Opfern der Tierrechtsindustrie. Die Branche muss offensiver mit der Öffentlichkeit umgehen.

Der doch überschaubare Beitrag aus unseren Verbänden wie der ISN, dem Bauernverband oder das industriefinanzierte Forum für Moderne Landwirtschaft kann bei weitem nicht die Öffentlichkeitsarbeit der gesamten Landwirtschaft und zugleich für jeden einzelnen Betrieb leisten. Die Hoffnung, dass es den Nachbarn trifft, hat möglicherweise in den letzten Jahren für die meisten Betriebe ganz gut funktioniert. Spätestens beim Bauantrag für das Güllelager nach der neuen Düngeverordnung könnte sich diese Strategie aber rächen. Auf einmal steht man völlig unvorbereitet im Fokus. Vielleicht sind nun auch die Spitzen der Verbände bereit, neue, offensivere und aber auch anstrengende Wege mit den Landwirten zu gehen. Letztlich muss jeder Landwirt selber für sein Image etwas tun, nur gemeinsam sind wir stärker.

Weiterführende Links:
Angriff ist die beste Verteidigung

5. Oktober 2016

TTIP und Otzbergs Scheinebauer

Letzte Woche war der Chefredakteur Reinhard Jörs mehrere Stunden bei uns. Wir haben uns ausführlich über Landwirtschaft unterhalten. Wie er auch in seinem Artikel anmerkt, ist Landwirtschaft so komplex, dass eigentlich jedes Thema für sich mindestens eine Seite Platz beanspruchen würde, um ausführlich darüber zu informieren.
Nun wir freuen uns auch so über den Artikel, wer es genauer Wissen will, kann gerne Kontakt zu uns aufnehmen.

Weiterführende Links:
otzbergs-schweinebauer

25. August 2016

Kommentar in der Jubiläungsanzeige der Agrarzeitung

Das weitere Bevölkerungswachstum und die Verstädterung in der Welt wird auch zukünftig zunehmen. An der Versorgung der Metropolen in der Welt muss sich auch Deutschland und Europa beteiligen. Die Flüchtlingsbewegung der letzten Monate ist nur ein kleiner Vorgeschmack darauf, wenn wir uns unserer Verantwortung zukünftig entziehen.
Daher wird sich die momentane Tendenz zur extensiveren Landwirtschaft in der EU in einigen Jahren wieder abschwächen. Eine intelligente Koexistenz von intensiver Landwirtschaft und attraktiven Naturräumen wird sich bilden.
Rückverfolgbarkeit und standardisierte Produktionsprozesse werden schon aus juristischen Gründen von den weltweit agierenden Abnehmern gefordert werden. Dadurch kann Europa seine höheren Produktionskosten durch die strenge (Umwelt-)Auflagen und scharfen Kontrollen am Weltmarkt durch höhere Preise kompensieren.
Die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft werden sich mehr an den Bedürfnissen der Mitarbeiter orientieren. Arbeitszeiten, Sicherheit im Umgang mit Tieren, attraktive Arbeitsplätze werden wichtiger bei dem Wettbewerb um die besten Mitarbeiter und Betriebsleiter. Der Beruf Landwirt wird auch zukünftig durch seine Vielfalt interessant für junge Menschen sein.

Weiterführende Links:
Link zum Heft

20. Juni 2016

Podiumsdiskussion über Landwirtschaft in der Region!

Peter Seeger hat am Montag den, 13.06.2016 an einer Podiumsdiskussion über Landwirtschaft in der Region teilgenommen. Hier findet ihr den ausführlichen Bericht.

Weiterführende Links:
Landwirtschaft

9. Mai 2016

Tolle Presse, ist immer schön!

Vielen Dank an die Kita Brensbach. Uns hat Euer Besuch auch sehr viel Freude gemacht!
Den Text kann man besser lesen, wenn man auf unsere Facebook Seite geht. Dort haben wir das Bild am 07.05.2016 gepostet.

18. April 2016

Wir machen für die Tiere!

Die FAZ hat uns zum Thema Initiative Tierwohl interviewt. Wir Landwirte mussten um überhaupt daran teilnehmen zu dürfen, in allem in Vorleistung gehen. Das bedeutete bereits vor 12 Monaten musste alles was man bei den Kriterien angegeben, hat erfüllt und natürlich auch bezahlt werden. Im Gegenzug bekommen, wir teilnehmenden Landwirte jeweils mit einer Verzögerung von 6 Monaten quartalsweise Geld.
Das ist so, als ob Sie Rückwirkend von ihrem Arbeitgeber für Ihre geleistete Arbeit erst 6 Monate später Geld bekommen. Vorher haben sie aber erst mal für Ihren Arbeitsplatz Geld bezahlt und nun bekommen sie lediglich die Investition zurück, nicht Ihre geleistete Arbeit.
http://plus.faz.net/evr-editions/2016-04-01/35252/224651.html

Weiterführende Links:
http://plus.faz.net/evr-editions/2016-04-01/35252/224651.html